Fanatec Clubsport Series: Formula Rim

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    • Fanatec Clubsport Series: Formula Rim



      Technik & Material

      Auf der Homepage wirbt Fanatec damit, dass es sich bei dem Rim um eine reine Metallkonstruktion aus Aluminium und einem Metallgehäuse handelt – sehen wir doch mal genauer hin, ob das auch so stimmt:

      Gleich das offensichtlichste vorneweg: Ja die CNC-gefräste Aluminiumplatte und ein stabiles Metallgehäuse sind vorhanden, auch die gesamte Konstruktion rund um das Quick-Release-System ist eindeutig aus Metall und macht einen sehr stabilen und langlebigen Eindruck. Das gefällt, haben wir angesichts der Produktbeschreibung aber auch erwartet.
      Die umseitige Verkleidung der Alu-Frontblende sowie die Fassungen der Grifffläche sind etwas überraschend aus schwarzem Kunststoff, und schmälern bei genauerem Hinsehen für den ein oder anderen ein wenig den ansonsten durchweg hochwertigen Eindruck. Da hier aber hochwertigere Kunststoffe verwendet wurden als bei den bekannteren Lenkrädern der Konkurrenz, stört dies das Gesamtbild nur für den wahren Puristen. Die Vorteile der Kunststoffverkleidung gegenüber einer Abdeckung aus Metall oder exotischeren Materialien liegen jedoch auf der Hand:
      1. Der Kostenfaktor
      2. Das Gewicht
      Genau genommen wiegt der Formula Rim nämlich nur 1230g und die wenigen Kunststoffelemente stören im Angesicht eines günstigeren Preises sicherlich niemanden.

      Bei Fanatec schon länger bekannt ist der mit Alcantara-Leder überzogene Lenkradkranz. Gerade bei einem modernen Formel-Lenkrad mit der sehr kleinen Grifffläche erwartet man hier an den jeweiligen Enden kleine Verarbeitungsfehler oder Spalte zwischen Leder und Kunststofffassung. Selbst als absoluter Perfektionist und nach längerem betrachten aus allen denkbaren Winkeln wird jedoch klar – davon ist hier nichts zu sehen.
      Die Knöpfe des Rims sind wie zu erwarten aus Kunststoff, ähnlich dem auf der Rückseite der Aluminiumplatte, anders jedoch sind der Drehregler und der Mini-Joystick aus Metall.



      Features

      Typisch für ein modernes Rennlenkrad, besitzt der Formula Rim jede Menge Knöpfe und Regler:
      - 11 Buttons
      - 2 Schaltwippen
      - 1 Joystick (analog)
      - 1 Drehschalter (7 Wege)

      Schon bei den einfachen Buttons spürt man die gute Verarbeitung, denn auch wenn aus technischer Sicht nicht viel dazu gehört, ist die Haptik hier eine ganz andere als bei der direkten Konkurrenz oder bei günstigeren Lenkrädern. Hier gibt es keine schwammige Grenze zwischen - Hab ich schon gedrückt - muss ich noch mal – hat der jetzt zwei Klicks gemacht.
      Egal in welcher Hektik man auch immer die einzelnen Knöpfe betätigt, es ist sowohl vom Gefühl als auch dem dezent gedämpften Klick-Geräusch immer eindeutig, wo der Druckpunkt ist.

      Der analoge, auch als Button (Druck nach unten) verwendbare Joystick kann beim Betätigen vom Gefühl her durchaus mit dem auf einem Konsolen-Controller verglichen werden, ist aber sicherlich nicht so hochauflösend, da er ja nicht direkt zum Steuern gedacht ist. Auch die Technik darunter ist eine andere, hier bewegen sich zwei auch von außen sichtbare Ringe aus Metall ineinander. Insgesamt ist der Joystick mit den kurzen Wegen ein wenig zu überempfindlich und wohl nur für gröbere Befehle wie schnelle Blicke zur Seite gedacht. Eine Bedienung von Menüs wie zur Einstellung des nächsten Boxenstopps ist eher nicht sinnvoll. Insgesamt ist der Joystick eine typische Erweiterung für die virtuelle Welt, die auf einem echten Rennlenkrad wohl nie zu finden sein wird.

      Womit wir dann auch bei dem 7-Wege-Drehschalter angelangt wären. Hier hat man wirklich die Möglichkeit, sehr präzise durch Menüs zu navigieren, Aktionen in der Simulation zu belegen und steuert nebenbei auch die generellen Einstellungen des Rims über das Setting-Menü (S_1 bis S_5). Der Regler ist ein tolle Erweiterung, welche mir persönlich immer beim G27 gefehlt hat und passt hervorragend in das Anwendungsbild von einem modernen Motorsport-Lenkrad.

      Die beiden Schaltwippen auf der Rückseite sind sehr genau auf die eigenen Wünsche anpassbar. Die Entfernung der Wippen vom Rim kann durch kleine Schrauben angepasst werden oder die Wippen relativ einfach komplett entfernt und durch eigene ersetzt werden. Auch der Anstellwinkel der Pedale ist anpassbar. Wer die handwerklichen grundvorraussetzungen mitbringt kann hier auch auf sehr simple Art und Weise eigene Anfertigungen anbringen, ohne andere Teile des Rims zerlegen zu müssen. Sehr praktisch!


      Fernab von Schaltern und Wippen, wären da noch die LEDs zu erwähnen. Bei Fanatec schon bekannt ist die dreistellige Digitalanzeige, welche nicht nur genutzt wird um die Lenkradeinstellungen im Setting Menü (S_1) zu tätigen, sondern in Kombination mit den neun Drehzahl-LEDs auch mithilfe des kostenlosen Tools FanaLEDs individuell fast jede denkbare Information anzeigen kann. So kann in digitalen Buchstaben und Zahlen Geschwindigkeit, Gang, Drehzahl, Reifen/Motor/Öl/Wassertemperatur, Restbenzin etc. angezeigt werden. Auch jede der Drehzahl-LEDs kann mit anderen Funktionen belegt werden, z.B. nutze ich nur die letzten sechs LEDs für den Drehzahlendbereich und die vorderen als Warnleuchten für wenig Restbenzin (sogar die Gewichts- oder Litermenge ab der die LED aufleuchten soll kann angegeben werden), gelbe Flaggen und persönliche Sektorbestzeiten. Die Belegung über FanaLEDs ist absolut simpel und auch für technisch weniger versierte Nutzer sehr schnell zu erlernen.





      Anwendung

      Kommen wir also zur Anwendung im Alltagsbereich. Anders als bei den üblichen Lenkradtests und Reviews kann man hier natürlich keine direkte Aussage zu den Force Feedback Eigenschaften geben, da diese Effekte von der Base kommen und vom Rim unabhängig sind. Halt, nicht ganz!
      Ein paar kleine Detailunterschiede gibt es natürlich schon. Durch das geringe Gewicht des Rims sind die spürbare Effekte deutlich stärker als beispielsweise beim BMW M3 GT2 Rim. Hier spürt man bei gleichen Einstellungen mit dem kleineren und leichteren Lenkrad wirklich jeden kleinen Schlag im Asphalt, Curbs rupfen ziemlich grob an den Händen und der Abflug ins Kiesbett oder noch schlimmer - in die Wand – kann durchaus mal weh tun – und sei es nur aus Sorge um das teure Equipment.
      Es empfiehlt sich also, im Vergleich zu den größeren Rims die Effekte ein wenig herunterzuschrauben.

      Insgesamt fühlt sich das Lenkrad beim Fahren großartig an und spielt trotz des mit dem G25/G27 vergleichbaren Durchmessers und Gewichts (unabhängig vom Sockel) in einer ganz anderen Liga. Die Reaktionszeit auf ein ausbrechendes Heck oder Bodenwellen kann nahezu am absoluten Minimum gehalten werden, durch das hervorragende und um Welten präzisere Force Feedback der Fanatec Clubsport Wheelbase lässt sich das Auto im Grenzbereich deutlich genauer bewegen und Korrekturen genauer vornehmen. Sinnvoll ist hier meiner Meinung nach eher der Vergleich zum BMW M3 GT2 Rim, da die selbe Base einen besseren Vergleich zulässt, wie gut die einzelnen Rims tatsächlich sind ohne den Sockel mit einzubeziehen, der hier nicht beurteilt werden soll:
      Ich besitze beide Rims (Formula und GT2) seit fast 18 Monaten und habe in dieser Zeit den GT2 Rim eigentlich nur verwendet, wenn der Formula Rim zur Reparatur bei Fanatec war (genaueres bei Qualität / Alltag). Der kleinere Durchmesser des Formula Rim bietet einfach klare Vorteile wenn das Auto rutscht und schnelle Richtungswechsel notwendig sind. Einen spürbaren Nachteil bei der Präzision gibt es nicht, auch wenn der GT2 Rim auf den Geraden natürlich etwas mehr Ruhe bietet. Stichwort Ruhe: Der Formula Rim kann bei längeren Fahrten durchaus etwas anstrengend sein. Der schwerere GT2 Rim ermöglicht auf den Geraden eine kurze Phase der Ruhe, während die Hände beim Formula Rim selbst bei kleinster Unebenheiten ständig Schlägen ausgesetzt sind.



      Qualität / Alltag

      Mittlerweile besitze ich das Fanatec-CSW Paket seit anderthalb Jahren und erlaube mir deshalb durchaus konkrete Aussagen zu Verschleißerscheinungen und Materialmängeln.

      Der Formula Rim ist wie schon vorher erwähnt eine solide Konstruktion mit kleinen Abstrichen bei der Materialverwendung um Kosten zu sparen. Genau diese Teile sind es jedoch, die nach dem ersten Jahr erste Verschleißerscheinungen aufzeigen.
      Damit ist noch nicht mal das übliche Problem mit Alcantara-Leder gemeint. Da kann man nämlich relativ wenig dagegen machen, verschwitzte Hände - und die bekommt man durch das Force Feedback Feuerwerk – nässen das Leder ein und lassen es spröde und weniger griffig werden. Die einzige Abhilfe dazu ist die Verwendung von Handschuhen, aber auch da sollten es schon richtige sein, was wieder mit Kosten verbunden ist. Gepolsterte Fahrradhandschuhe sind zwar sehr bequem und lindern die heftigen Force Feedback Schläge ein wenig, die freiliegenden Finger reichen aber schon um Alcantara den Rest zu geben. Daraus Fanatec einen Strick zu drehen wäre allerdings falsch, denn die Materialauswahl gefällt und bei entsprechendem Umgang mit Handschuhen ist auch auf lange Sicht alles in bester Ordnung.

      Störender ist aber vor allem der abblätternde Lack an den Kunststofffassungen der Griffflächen. Diese Kunststoffteile sind teilweise in mattem, teilweise in hochglänzendem Schwarz gehalten um den optischen Übergang zwischen der hochglänzenden Rückplatte und dem matten Alcantara herzustellen. Eine schöne Idee, die leider nach anderthalb Jahren nur noch aus mattem Kunststoff besteht, da sich der hochglänzende Lack komplett verabschiedet hat. Hier wurde aber nicht wie einige vermutet haben unbedingt am Lack gespart, sondern es besteht wohl eine zu geringe Haftbrücke zwischen Kunststoff und Lack. Ein großes Drama ist das nicht, schön sieht es allerdings auch nicht aus.

      Das Hauptproblem des Formula Rims sind aber die überempfindlichen Pins, welche den digitalen Kontakt zur Clubsport Wheel Base herstellen. Ob der Rim dabei mit der Fixierschraube montiert ist oder jederzeit zum Quickrelease-Einsatz bereit ohne Schraube nur aufgesteckt ist, spielt dabei keine Rolle – einer der Pins bricht alle paar Monate einfach ab. Hat man Glück und es erwischt den Pin links unten, fällt nur die LED-Anzeige aus und man kann mit dem Einschicken noch warten bis man das Lenkrad mal längere Zeit nicht braucht. Die anderen Pins sind aber mit wichtigeren Funktionen belegt und ein Einsatz des Rims ist dann nicht mehr möglich. Ich spreche da aus eigener Erfahrung und habe in knapp 18 Monaten drei mal den Formula Rim alleine wegen abgebrochener Pins einschicken müssen.
      Fanatec weiß mittlerweile von dem Problem, und verbaut seit Mitte 2014 stärkere Pins, bisher ist hier noch keiner gebrochen. Für neue Einheiten könnte also zumindest das gravierendste Problem mittlerweile behoben sein. Trotzdem darf man bei Fanatecs Preisen durchaus mehr Standfestigkeit erwarten.






      Fazit (Pros & Cons)

      + sehr leicht
      + gute Größe für schnelle Lenkkorrekturen
      + viele Knöpfe
      + Drehregler bietet neue Möglichkeiten
      + LED-Anzeige mit FanaLEDs individuell einstellbar
      + Materialauswahl überwiegend positiv
      + Firmwareupdates deutlich einfacher als früher

      o überempfindlicher Joystick

      - Standfestigkeit der Pins problematisch
      - Lack blättert an Kunststoffelementen ab
      - Alcantara-Leder nimmt Schweiß auf und wird spröde/weniger Griffig
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      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Marcel Penzkofer ()