Fanatec Clubsport Series: BMW M3 GT2 Rim

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    • Fanatec Clubsport Series: BMW M3 GT2 Rim



      Technik & Material

      Bei dem BMW M3 GT2 Rim von Fanatec handelt es sich um eine genaue Nachbildung des Lenkrades aus dem Original GT-Rennwagen aus München. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen, hier ein wirklich professionell aufgebautes Produkt zu bekommen, welches den Konsolen-Charakter anderer Lenkräder ablegt. Schon beim Auspacken wird allerdings klar: Das kann gar kein Spielzeug mehr sein, dazu ist der Rim viel zu schwer. Mit rund 2200g wiegt er nahezu das doppelte des kleinen Formula-Rims – und das obwohl bei beiden das selbe Quickrelease-System verbaut ist.

      Wem das Gewicht nicht ausreicht und die Schutzhülle entfernt, der wird spätestens von der Optik des Rims erschlagen. Ich will hier nicht wie ein Werbesprecher für Fanatec klingen, aber die Bilder im Internet „are not doing it justice“, beschreiben in keinster Weise das Gefühl das große Lenkrad (Durchmesser 32cm / Kranz 2,8cm) tatsächlich in den Händen zu halten.

      Erneut findet Alcantara Verwendung, logischerweise deutlich mehr als beim Formula-Rim was teilweise auch den drastischen Preisunterschied erklärt. Die Verarbeitung ist herausragend und lässt keine Zweifel aufkommen, dass hier sehr viel Aufwand betrieben wurde, das Lenkrad so als Massenprodukt verkaufen zu können.
      Ähnlich wie beim Formula-Rim kommt Kunststoff zum Einsatz für verschiedene Deckplatten, allerdings wirkt beim M3 GT2 alles noch mal deutlich hochwertiger als beim ohnehin schon guten Eindruck beim kleineren Bruder.

      Das Quickrelease-System ist wie erwähnt identisch zu dem des Formula-Rims, darum kürze ich es auf die selben Eigenschaften herunter: Es wirkt durchdacht, langlebig, hochwertig. Hinzu kommt auch hier wieder die Möglichkeit, das Lenkrad mit einer Fixierschraube an der Base festzuschrauben.




      Features

      Das Layout der Buttons ist abgesehen vom Drehregler und dem analogen Mini-Joystick identisch zum realen Vorbild:
      - 11 Buttons
      - 2 Schaltwippen
      - 1 Joystick (analog)
      - 1 Drehschalter (7 Wege)

      Da die Anzahl und Verarbeitung der Buttons zum Formula-Rim identisch ist, zitiere ich hier aus dem anderen Review:

      Schon bei den einfachen Buttons spürt man die gute Verarbeitung, denn auch wenn aus technischer Sicht nicht viel dazu gehört, ist die Haptik hier eine ganz andere als bei der direkten Konkurrenz oder bei günstigeren Lenkrädern. Hier gibt es keine schwammige Grenze zwischen - Hab ich schon gedrückt - muss ich noch mal – hat der jetzt zwei Klicks gemacht.
      Egal in welcher Hektik man auch immer die einzelnen Knöpfe betätigt, es ist sowohl vom Gefühl als auch dem dezent gedämpften Klick-Geräusch immer eindeutig, wo der Druckpunkt ist.

      Der analoge, auch als Button (druck nach unten) verwendbare Joystick kann beim Betätigen vom Gefühl her durchaus mit dem auf einem Konsolen-Controller verglichen werden, ist aber sicherlich nicht so hochauflösend, da er ja nicht direkt zum Steuern gedacht ist. Auch die Technik darunter ist eine andere, hier bewegen sich zwei auch von außen sichtbare Ringe aus Metall ineinander. Insgesamt ist der Joystick mit den kurzen Wegen ein wenig zu überempfindlich und wohl nur für gröbere Befehle wie schnelle Blicke zur Seite gedacht. Eine Bedienung von Menüs wie zur Einstellung des nächsten Boxenstopps ist eher nicht sinnvoll. Insgesamt ist der Joystick eine typische Erweiterung für die virtuelle Welt, die auf einem echten Rennlenkrad wohl nie zu finden sein wird.

      Womit wir dann auch bei dem 7-Wege-Drehschalter angelangt wären. Hier hat man wirklich die Möglichkeit, sehr präzise durch Menüs zu navigieren, Aktionen in der Simulation zu belegen und steuert nebenbei auch die generellen Einstellungen des Rims über das Setting-Menü (S_1 bis S_5). Der Regler ist ein tolle Erweiterung, welche mir persönlich immer beim G27 gefehlt hat und passt hervorragend in das Anwendungsbild von einem modernen Motorsport-Lenkrad.

      Anders als beim Formula-Rim sind die Schaltwippen nicht ganz so individuell einstellbar, wobei dennoch eine Abstandregulierung vorhanden ist und die Wippen mit dem Lösen von nur zwei Schrauben auch ganz entfernt werden können. Selbst angefertigte Wippen können auch hier sicherlich montiert werden, die Möglichkeiten sind durch die Art der Montage aber auch hier etwas eingeschränkter als beim rückseitig offenen Formula-Rim



      Fernab von Schaltern und Wippen, wären da noch die LEDs zu erwähnen. Bei Fanatec schon bekannt ist die dreistellige Digitalanzeige, welche nicht nur genutzt wird um die Lenkradeinstellungen im Setting Menü (S_1) zu tätigen, sondern in Kombination mit den neun Drehzahl-LEDs auch mithilfe des kostenlosen Tools FanaLEDs individuell fast jede denkbare Information anzeigen kann. So kann in digitalen Buchstaben und Zahlen Geschwindigkeit, Gang, Drehzahl, Reifen/Motor/Öl/Wassertemperatur, Restbenzin etc. angezeigt werden. Auch jede der Drehzahl-LEDs kann mit anderen Funktionen belegt werden, z.B. nutze ich nur die letzten sechs LEDs für den Drehzahlendbereich und die vorderen als Warnleuchten für wenig Restbenzin (sogar die Gewichts- oder Litermenge ab der die LED aufleuchten soll kann angegeben werden), gelbe Flaggen und persönliche Sektorbestzeiten. Die Belegung über FanaLEDs ist absolut simpel und auch für technisch weniger versierte Nutzer sehr schnell zu erlernen.

      Unterschied zum Formula-Rim: Die Drehzahl-LEDs sind bei diesem Rim deutlich, ich betone „deutlich“, heller als beim Formula Rim. Ich würde soweit gehen und sagen, dass sie in einem abgedunkelten Raum durchaus blenden, was aber den Vorteil hat dass auch bei direkter Sonneneinstrahlung auf die LEDs immer noch erkennbar ist, ob diese aufleuchten.





      Anwendung

      Kommen wir also zur Anwendung im Alltagsbereich. Anders als bei den üblichen Lenkradtests und Reviews kann man hier natürlich keine direkte Aussage zu den Force Feedback Eigenschaften geben, da diese Effekte von der Base kommen und vom Rim unabhängig sind. Halt, nicht ganz!

      Wie schon im Formula-Review angedeutet, ist der BMW-Rim viel größer (32cm) und schwerer. Das macht ihn bei schnellen Richtungswechseln ein gutes Stück langsamer. Außerdem wird durch das hohe Gewicht (2200g) das Force Feedback spürbar gedämpft und die Werte müssen eventuell erhöht werden um den gleichen Output wie bei einem leichteren Lenkrad zu bekommen – oder man genießt den Komfort der Ruhephase auf langen Geraden, auf denen man mit dem großen Rim nicht ständig Bodenwellen und Schlägen ausgesetzt ist.

      Das hört sich alles erst mal gar nicht so gut an und legt den Gedanken nahe, dass man mit diesem Rim langsamer ist und er sich alleine deshalb nicht lohnen könnte. Dem kann ich aber nur bedingt zustimmen, denn das Lenkrad bringt zwei extrem wichtige positive Faktoren mit sich:
      1. Der größere Durchmesser macht die eigenen Lenkbewegungen viel präziser
      2. Durch das gedämpfte Force Feedback sind längere Stints möglich

      Hier wird schnell klar, auf welche Zielgruppe der Rim abzielt: Langstrecke, GT-Sport, Tourenwagen.
      Und fährt man erst mal ein Auto aus diesem Bereich damit, muss man tatsächlich feststellen: Man kann sehr lange Stints sehr präzise fahren, ohne zu ermüden. Und so gesehen: Ist man nicht sogar schneller, wenn man auf einen ganzen Stint seine nur minimal langsameren Zeiten immer und immer wieder fahren kann?

      Ein kleiner Schwachpunkt des Button-Layouts ist die Erreichbarkeit der Knöpfe. Nun, es handelt sich um eine exakte Nachbildung des Original-Lenkrades und da ist klar, dass es keinen Spielraum für Positionsveränderungen gibt, das Problem ist also eher ein generelles für diese Art von Lenkrad.
      Ein Beispiel aus dem Alltag: Das Lenkrad ist einfach zu groß für einen schnellen Daumendruck zum Verstellen der Anti-Rollbar mitten in der Bremsphase oder einfache Korrekturen der Bremsbalance. Dazu muss fast in jedem Fall eine Hand vom Lenkrad genommen werden. Dazu sei aber gesagt: beim Formula-Rim wäre das dramatischer, da der stabilere und dank gedämpften Effekten ruhigere BMW M3 GT2 Rim nicht wild umherspringt sobald man eine Hand vom Lenkrad nimmt.

      Auch die Schaltwippen erreicht ohne vorherigen Anpassungen nicht jeder. Ich habe nicht ausprobiert, wie nahe man die Wippen an den Lenkradkranz bewegen kann, ohne den Schaltvorgang auszulösen, da mit die Standardentfernung gut so passt. Da meine Hände aber nicht die kleinsten sind (Gr. 9), ist das weniger verwunderlich. Anders sieht es aber z.B. bei meiner Freundin aus (Gr. 6), die auch dank des Kranz-Durchmessers nicht mal mit den Fingerspitzen an die Schaltwippen kommt.




      Qualität / Alltag

      Mittlerweile besitze ich das Fanatec-CSW Paket seit anderthalb Jahren und erlaube mir deshalb durchaus konkrete Aussagen zu Verschleißerscheinungen und Materialmängeln.

      Zum Alcantara-Leder zitiere ich aufgrund der identischen Situation wieder das Formula-Rim-Review:
      Das Problem mit Alcantara ist einfach: Verschwitzte Hände - und die bekommt man durch das Force Feedback Feuerwerk – nässen das Leder ein und lassen es spröde und weniger griffig werden. Die einzige Abhilfe dazu ist die Verwendung von Handschuhen, aber auch da sollten es schon richtige sein, was wieder mit Kosten verbunden ist. Gepolsterte Fahrradhandschuhe sind zwar sehr bequem und lindern die heftigen Force Feedback Schläge ein wenig, die freiliegenden Finger reichen aber schon um Alcantara den Rest zu geben. Daraus Fanatec einen Strick zu drehen wäre allerdings falsch, denn die Materialauswahl gefällt und bei entsprechendem Umgang mit Handschuhen ist auch auf lange Sicht alles in bester Ordnung.

      Ein anderes Problem ist die hohe Empfindlichkeit der Pins des Quickrelease-Systems. Anders als beim Formula-Rim habe ich hier noch keine negativen Erfahrungen gemacht, kann aber nicht sagen ob das Problem bei häufigerem Betrieb identisch ist. Fanatec weiß mittlerweile von dem Problem, und verbaut seit Mitte 2014 stärkere Pins, bisher ist hier noch keiner gebrochen. Für neue Einheiten könnte also zumindest das gravierendste Problem mittlerweile behoben sein. Angesichts des Preises für dieses Lenkrad erwartet man aber doch eher, dass diese Pins etwas mehr aushalten. Ob sich die verbesserte Variante von diesem Problem verabschiedet hat, bleibt also abzuwarten.

      Ich empfehle deshalb immer die mitgelieferte Fixierschraube am Quickrelease-System anzubringen um so jegliche Form von Rest-Spiel zu unterbinden.





      Fazit (Pros & Cons)

      + herausragende Optik
      + viele Knöpfe
      + Drehregler bietet neue Möglichkeiten
      + LED-Anzeige individuell einstellbar
      + LEDs sehr hell
      + Materialauswahl sehr positiv
      + Schaltwippen einstellbar / abnehmbar

      o überempfindlicher Joystick

      - schnelle Lenkkorrekturen schwieriger als mit kleineren Lenkrädern
      - ein Großteil der Buttons ist nur erreichbar, wenn eine Hand vom Lenkrad genommen wird
      - Standfestigkeit der Pins problematisch
      - Alcantara-Leder nimmt Schweiß auf und wird spröde/weniger Griffig
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Marcel Penzkofer ()