[2014] Eine halbe Saison der 'neuen' Formel 1

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    • Habe nur recht wenig gesehen (Vielleicht 1 Rennen komplett, von den anderen nur Ausschnitte), kann mir also nicht allzu viel dazu sagen.
      Insgesamt scheint es aber recht brauchbar zu sein. DRS hat mir schon in der letzten Saison nicht gefallen. Andere Maßnahmen (eingeschränktere Aerodynamik, Verbot von Carbon-Bremsen) hätte das Überholen m. E. interessanter gemacht als das.
      Der Sound ist natürlich schwach. Ich fand das Gekreische der alten V8 schon nur so mittelgeil. Aber aus nem 1,5L V6 kommt halt naturgemäß wenig raus. Der Turbo macht dann den Rest platt....
      Aber gut, der Sound ist nicht entscheidend, sondern die Action auf der Strecke.
      Die Sportkommissare scheinen sich hier mit zu harten Strafen (für Nichtigkeiten) tatsächlich zurückzuhalten, was grundsätzlich positiv ist. Der von Misan angesprochene Crash ist speziell, da es 2 Teamkollegen waren und die Aktion in dieser Phase des Rennens eher unnötig war...
      Die Mercedes-Übermacht nervt mich persönlich ein wenig (zumal ich den Rosberg schon immer hart unsympathisch fand), ähnlich wie die Red-Bull-Dominanz in den Jahren davor. Aber das wird sich wohl so schnell auch nicht mehr auflösen. Irgendein Team wird immer einen gewissen Vorteil haben und die Saison prägen.
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    • Ich find den Sound zumindest wichtig als Anreiz mir so ein Rennen vor Ort anzugucken. Für 22 Rasenmäher zahle ich nicht die horrenden Preise, die ein Bernie Ecclestone verlangt, besonders da ich 75% des Rennens eh nur auf der Leinwand sehe.

      Die Übermacht von einem oder von zwei Teams gab es ja in der F1 eigentlich immer. Wer die Hausaufgaben am besten gemacht hat, bekommt den Kuchen.
    • Es mag wohl auch daran liegen, dass man mit der Zeit geht. Aber verstehen muss ich das nicht. Diese ganze elektronische Kacke ala KERS oder DRS hat meiner Meinung nach nichts im Motorsport zu suchen. Es geht darum das die Fahrer zeigen können was sie drauf haben, und nicht andersrum. Heutzutage kann glaube ich jeder Hans und Franz nen Rennwagen fahren, ok ok...etwas überspitzt gesagt. Früher war alles besser, aber sagt man das nicht immer? Für meinen Teil gucke ich noch F1, da es ja im Free-TV auch nicht viel andere Möglichkeiten gibt. DTM z.b gucke ich schon lange nicht mehr. Aber Snooker find ich ganz geil...*gg*
    • Es ist irgendwie schwierig ein klares Urteil zu fällen. Ich persönlich finde, dass da auch immer viel schlecht geredet wird, was eigentlich gar nicht so neu ist. Solche Geschichten wie drastische Regeländerungen zur Angleichung der Autos, neue Motorenregeln, Teamorder, teaminterne Kollisionen, Politikspielchen, usw. gab es schon in den 60er und 70er Jahren und teilweise sogar im größeren Ausmaß als heute. Da wird die Vergangenheit teilweise schöner geredet als sie es tatsächlich war. Ohne Teamorder wäre z.B. Peterson posthum Weltmeister geworden und nicht Andretti. Colin Chapman hat schon in den 70ern seinen Piloten die Mützen von Sponsoren vom Kopf gerissen wenn nicht exklusiv im Vertrag eine Summe dafür vereinbart war. Und Bernie Ecclestone hat schon als Brabham-Teamchef die F1-Welt manipuliert.

      Der Sound hilft sicherlich nicht. Ich habe mir im Rahmen des Spa-Wochenendes rein aus neugierde auch die beiden GP2-Rennen angeschaut und finde es irgendwie schon ulkig, wenn die kleinere Klasse mit den langsameren Autos einen höllischen Lärm produziert und dann danach die "Großen" mit ihrem dumpfen Staubsauger-Sound fahren. Ich stimme nogel aber zu, dass auch die V8 schon keinen tollen Klang mehr hatten und nach der Einfrierung Ende 2006 mit dem stetigen Absenken der maximalen Drehzahl nicht mal mehr Unterschiede zwischen den Herstellern rauszuhören waren (Anfang 2006, als die V8 noch neu waren und entwickelt werden durften, gab es zumindest klare Soundunterschiede, speziell weil das Triebwerk von Mercedes-Benz mit rund 22.000 U/Min gute 2000 U/Min höher gedreht hat als die gesamte Konkurrenz).

      Ein anderes Problem ist, dass die Autos in ihrer Performance einfach zu festgefahren sind. Es gab schon immer überlegene Autos, egal ob das jetzt der Mercedes ist oder vorher der RedBull war... auch das war in den 70ern schon so. Wer hätte denn z.B. 1978 den überlegenen Lotus 79 jemals schlagen sollen? Oder 1988 den McLaren MP4/4 - bis heute das überlegenste F1-Auto der Geschichte? Was da halt prinzipiell jedes mal falsch läuft, ist das Verhalten der FIA. Um das im Folgejahr wieder zu verhindern, werden immer wieder komplett neue Regeln gestrickt, neue Limits gesetzt. Und dann findet wieder nur ein Team von Anfang an diese neu entstande Lücke und dominiert. Zumindest das war früher teilweise noch besser, da die Teams es da noch geschafft haben, aus eigener Kraft nachzuziehen und die überlegenen durch eigene Entwicklungen einzuholen. Der Lotus 79 war das erste Wing-Car seiner Zeit, profitierte immens davon, dass das Auto selbst als Flügel funktionierte. Knapp ein Jahr später war die Dominanz des Autos trotz eines stabilen Reglements dahin, denn alle anderen hatten aufgeholt und eigene Ansätze gefunden, mehr aus dem Konzept herauszuholen als die Erfinder (in dem Fall eben Lotus) selbst.

      Was die F1 dringend braucht, ist ein stabiles Reglement. Über Jahre hinweg. Keine weiteren Neuerungen wie DRS und ERS. Speziell Ricciardo und Alonso haben uns auch mit den 2014er Autos gezeigt, dass man mit Mut und Willenskraft viel besser und spektakulärer an den Stellen überholen kann, wo kein DRS zum Einsatz kommt. Es geht also auch ohne und schaut sogar noch gut aus. Was die beiden in Hockenheim abgezogen haben, steht in keinster Weise hinter dem legendären Duell Arnoux/Villeneuve nach.


      Der Jugendwahn sollte allmählich endlich ein Ende finden. Noch dieses Jahr will Toro Rosso mit Verstappen einen 17-jährigen (der jetzt noch 16 Jahre alt ist) an einem GP-Wochenende in ihr F1-Auto setzen. Ob der Junge in den Nachwuchsklassen gut ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Bei einer Demofahrt hat er das Auto bei Burnouts einfach mal frontal in die Wand gesetzt. RedBull hatte natürlich eine intelligente Ausrede parat, aber die Ausreden werden eigentlich zunehmend immer peinlicher. Mittlerweile neigt man in der Szene dazu, die Leute deutlich zu früh in die Autos zu setzen. Aus der eigentlich noch recht jungen GP2 kommen schon lange keine direkten F1-Einsteiger mehr, die Teams krallen sich ihre "Talente" mittlerweile aus der F3 oder GP3. Beispielsweise Bottas ist nie in der GP2 gefahren sondern direkt aus der GP3 zu Williams gekommen, musste da aber immerhin als Testfahrer erst Erfahrung sammeln. Verstappen ist jetzt der nächste, der der den direkten Aufstieg von der Formel 3 in die Formel 1 geht.
      Sicher, auch früher hat man schon Nachwuchsfahrer aus deutlich niedrigeren Klassen in die Formel 1 geholt. Aber zwei eklatante Unterschiede gab es: Trotz allem war das durchschnittliche Einstiegsalter deutlich höher - und es gab lange Zeit keine weitere Klasse zwischen der Formel 3 und der Formel 1.

      Der negativste Beigeschmack an dieser "Nachwuchspolitik" ist aber dieses Gehabe "er ist ja der Sohn von (Ex-Fahrer/Millionär)". Verstappen, Magnussen, Rosberg, Nakajima, Senna - Chilton, Maldonado.
      Viele der letzten GP2-Champions haben u.a. kein Cockpit bekommen, weil die "namhaften" Söhne von irgendjemanden den Vorzug erhalten haben - trotz teilweise schlechterer Ergebnisse in den Nachwuchsklassen.
      Teilweise ist die GP2 da selbst schuld, weil es eben doch keine gleichwertigen Autos sind. Es dominieren seit Gründung der Serie 2005 immer die gleichen Teams, Rookies bekommen in diesen Autos kein Cockpit und müssen oft 3-4 Jahre in der Serie fahren um eine Chance in einem Top-GP2 zu bekommen. Und dann gilt man nicht mehr als Überflieger, weil man ja schon so lange gebraucht hat um den Titel zu gewinnen...
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      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Marcel Penzkofer ()

    • Nun, ich kann Marcels Replik zwar nicht blind, aber mit halbgeschlossenen Augen unterschreiben.
      Die Tatsache das "früher" gewisse Dinge ähnlich oder gleich wie heute waren, macht die Gegenwart nicht besser oder die Vergangenheit schlechter.
      Diese Diskrepanz ist imo sehr deutlich vorhanden.
      Ich war früher ein F1-Freak, ja ich stand sogar zu Unzeiten auf um mir meine Dosis F1 zu geben. Wir reden da von den frühen 80ern bis Mitte 90er. Die 60er und 70er hab danach mitgenommen.
      1994 als sich Schumacher gegen Hill toleriert zum Titel rempelte bekam die Fassade für mich erste Risse und bis Ende der 90er brach sie komplett ein. Seit damals schaue ich mir pro Jahr maximal ein ganzes Rennen an (meist ist es dann ein halbes), nur um mir zu beweisen, dass ich eigentlich gar nichts verpasse.

      Nein früher war nicht alles besser, aber das essentielle, entscheidende, das war entschieden besser: Es war primär eine Fahrerweltmeisterschaft.
      Heute ist es ein Marketingkarneval, eine Markenweltmeisterschaft in der glattpolierten und rhetorisch geschulten Langeweilern hinter dem Steuer vorgeschissen wird was sie auf und neben der Strecke zu tun haben. Das ist nicht unbedingt ihr Fehler, sicher gäbes es noch diese speziellen Typen, aber sie sind durch 200 seitige Vertragswerke kastriert worden und so selten wie ein Ölfleck in einer Box.
      Man hat beim Anblick einer Box nicht wirklich das Gefühl das da Motorsport betrieben wird, man wähnt sich eher in einem Chemielabor, wahrscheinlich ist es da so sauber das man vom Boden weg fressen kann. Logisch, den Sponsoren möchten nicht mit "Schmutz" assoziert werden.
      Ob alternative Antriebsmethoden und /oder Techniken Einzug halten müssen sei dahingestellt, das stört mich eigentlich gar nicht so, aber das die primäre Funktion dessen das Ermöglichen von Überholmanövern sein soll/sollte, sagt eigentlich schon fast alles. Ich persönlich würde mal anfangen die Telemetrie einzuschränken und vor allem den Boxenfunk komplett abzuschaffen. Ich denke das würde das Denkvermögen der Fahrer, pardon Roboter evtl. animieren und ein Rennen durchaus interessanter gestalten. Ich mein was die zwischendurch ihren Fahrern mitteilen ist doch völlig krank. da kommen ja Sätze wie "Deine Reifen sind noch kalt, warte noch eine Runde bis du pushst", da würd ich ja laut rauslachen. Nein, der Fahrer sollte wie früher über Tafel informiert werden. Punkt.
      Die F1 war früher die Speerspitze des Motorsports. Jeder Fahrer wollte dahin. Da wars am lautesten, am glamourösesten, am schnellsten und am gefährlichsten. Letzterer Punkt bringt mich dann zu den Strecken und den Bereich der mich an der F1 am meisten ankotzt. Ich bin wahrlich kein Voyeuer dem bei jedem tödlichen Unfall in der 79ern und 80ern einer abgegangen ist, aber für mich gehört bei der sogenannten Speerspitze des Motorsports der Faktor "Mut" einfach dazu.
      Sowas ist imo heute auf diesen Tilkschen Strecken gar nicht gefragt, weshalb auch. Wo sind den heute diese Mutkurven, diese tricky Stellen die die Spreu wom Weizen trennen? Wieso schwärmen alle von Spa, der eau rouge, der letzten Challenge in der Formel Gähn? Was leistet im Vergleich beispielsweise ein Rallyfahrer? oder ein Motorradfahrer auf der TT?
      Heute sitzt man als Zuschauer bald mit dem Fernrohr hinter 300 Meter Auslaufzone, sieht wenig, zahlt viel.

      Und so könnt ich jetzt weiter und weiterschreiben und am Schluss würde mein Fazit lauten: "DOCH! Früher war die F1 besser".

      Sie war faszinierender, gefährlicher, lauter.
      Da waren Typen die sich nicht mochten und es in der Öffentlichkeit austrugen, sich nach dem Rennen sogar ne Kippe ansteckten und sagten was sie dachten.
      Da waren Rennwagen welche diesen Namen auch verdient haben, die laut waren ohne elektronische Fahrhilfen und lächerlichem aerodynamischen Schnickschnack und dem Fahrer alles abforderten.
      Da waren Strecken die Mut forderten und Charakter hatten.

      Heute ist alles durchkommerzialisiert, von Sponsoren und Werken bestimmt, optimiert und auf maximalen Gewinn bedacht. Risiko, Gefahr, eigene Meinungen, Dispute oder Fehler haben keinen Platz....eigentlich ein Spiegelbild unserer aufs Optimum getrimmten Gesellschaft. Past insofern.
    • Marcel Penzkofer schrieb:

      Der Jugendwahn sollte allmählich endlich ein Ende finden. Noch dieses Jahr will Toro Rosso mit Verstappen einen 17-jährigen (der jetzt noch 16 Jahre alt ist) an einem GP-Wochenende in ihr F1-Auto setzen. Ob der Junge in den Nachwuchsklassen gut ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Bei einer Demofahrt hat er das Auto bei Burnouts einfach mal frontal in die Wand gesetzt.


      Total dramatisiert von dir.

      Alte Hasen wie Fisichella haben das auch schon geschafft und das weitaus heftiger.
    • Darum geht es nicht, es setzt dem ganzen nur das I-Tüpfelchen auf. Solche jungen Menschen gehören einfach nicht in einen Formel 1 Boliden und sind auch noch viel zu unerfahren im Umgang mit den Medien um dem Druck stand zu halten, gerade dann wenn man nicht in einem direkten Hinterbänklerteam Erfahrung sammeln kann. Natürlich spricht man von jungen Leuten wie Bottas oder Magnussen davon "wie unheimlich reif sie für ihr Alter sind und wie bodenständig und wie toll und lieb und brav und dass die Zeit ja sowieso eine andere ist als früher, blablabla..."

      Aber wissen wir das denn wirklich, wie es aussieht wenn die Kameras ausgeschalten sind? Ob die alle so sind wie sie sich geben? Ob wirklich alle mit dem Druck klar kommen? Oder manche vielleicht gerade deshalb keinen verspüren, weil sie eigentlich noch teilweise Kinder sind und es zu sehr als Spiel sehen (die von den anderen angesprochenen Rennstrecken mit hunderten von Metern an Auslaufzonen ohne die Gefahr eines Unfalls tun ihr übriges dazu)?

      Manchmal habe ich den Eindruck. Wenn man auch sieht, wie schlecht manche Jungs verlieren können hat man öfter den Eindruck, dass es da mit der Reife eigentlich noch gar nicht so weit ist. Das betrifft auch die mittlerweile ja fast schon "alten" Fahrer wie Hamilton, Rosberg oder Vettel. Von Anfang an in ein gutes Auto gesetzt, vom Erfolg verwöhnt, aber bis heute nicht begriffen wie man sich anständig benimmt wenn es mal nicht so läuft. Und ich bin fest davon überzeugt, dass das zum großen Teil von einem zu frühen F1-Einstieg kommt. Der Erfolg gibt ihnen blöderweise Recht. Aber mit den Autos mit denen sie Erfolge gefeiert haben, wären andere auch erfolgreich gewesen...
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    • Das mit den immer jünger werdenden Fahrern finde ich auch etwas daneben. Aber das ist leider eine Entwicklung die man auch in anderen Sportarten zu sehen bekommt.

      Ab dem nächsten Rennen sind nun also Tipps über den Boxenfunk verboten. Heisst es gibt kein "Fahr jetzt mit Benzingemisch BC" oder "Du überfährst die Reifen" mehr per Funk. Nun müssen die Fahrer mal wieder etwas mehr auf ihr Auto horchen und nicht einfach nur strikt nach Anleitung fahren.
      Ich bin gespannt inwieweit sich das ganze durchsetzen lässt und welche Kniffe sich die Teams einfallen lassen. Abgesprochen Code Wörter im normalen Funk zu verstecken sollte nicht allzuschwer sein.
      Andererseits hat es Räikkönen ja mal richtig am Funk ausgedrückt: "Leave me alone, i know what i'm doing"
    • Ich habe von der aktuellen Formel 1 Saison nicht eine einzige Runde gesehen und habe nicht das Gefühl, dass mir etwas fehlt. Die meisten Gründe dafür wurden hier bereits angesprochen:

      Die Fahrer sagen nicht was sie denken, sondern was ihnen ihre Verträge in den Mund legen. Alles, was man in den Interviews hört sind die üblichen Marketing-Worthülsen. Sponsorenfreundlich, politisch korrekt, inhaltslos.

      Verschiedene Fahrhilfen rauben den Überholmanövern jeden Wert. Action auf der Strecke ist schön und gut, aber irgendwie einfach nichts wert, wenn ein Überholmanöver nur deswegen stattfindet, weil sich der Hintermann in dieser Runde noch 2,4 Sekunden KERS aufgespart hat oder an irgendeinem Messpunkt weniger als soundsoviel Sekunden hinter dem Verfolgten war. Jeremy Clarkson sagte in einer der ersten Top Gear Folgen mal den Satz: "Rip out all the technology and give us proper racing again", das war glaub ich 2002...

      Die Strecken haben gar keinen Charme mehr. Alles was man sieht sind Tribünen, Leitplanken, Fangzäune und riesige asphaltierte Auslaufzonen. Irgendwie total charakterlos, eine Strecke sieht aus wie die andere. Und wenn ich dann von Plänen lese, die künstliche Bewässerung oder Abkürzungen vorsehen, weiß ich nicht ob ich lachen oder weinen soll.

      Mir ist die ganze Formel 1 mittlerweile einfach zu künstlich, alles ist nur auf Show ausgelegt. In der Startaufstellung tummeln sich nur millionenschwere Snobs, die sich bei jeder Begegnung überschwänglich in die Arme fallen und sich zwei Sekunden später fragen, mit wem sie da jetzt eigentlich gesprochen haben. In so einem Personenkreis ist kein Platz für mich.
    • Also, nachdem ich schon so spitz gefragt habe, möchte ich auch mal meinen Anteil dazu beitragen. Und da muß ich sagen, im Moment machts mir richtig Spaß, und das aus mehreren Gründen.

      Der erste ist vielleicht im ersten Moment nicht ganz nachzuvollziehen, aber daß ein Team das neue Reglement überlegen umgesetzt und zwei Fahrer auf Augenhöhe hat, die die Sache (noch) weitestgehend frei untereinander austragen dürfen (obgleich es da nach Rosbergs Verbremser in Monza tüchtig Verschwörungstheorien gibt), mach die Sache extrem unterhaltsam, weil wenn nicht gerade der Blitz einschlägt, Rosberg und Hamilton werden die ersten beiden Endränge der WM belegen. Und die beiden geben es sich so richtig! Das erinnert so ein bisschen an das Ende der 80er, als McLaren-Honda das Feld beherrschte und mit Senna und Prost auch die beiden überlegenen Fahrer ihrer Ära unter Vertrag hatte (und in ihrer Art und Verschiedenheit durchaus mit Hamilton und Rosberg vergleichbar sind). Fehlt bloß noch, daß die beiden sich in Suzuka in der Schikane näherkommen...

      ;)
      Red Bull war die letzten Jahre zwar auch recht deutlich überlegen, aber es gab ein deutliches Leistungsgefälle zwischen den Fahrern, weswegen es von vorneherein ziemlich klar war, daß der Weg nur über Vettel führt. Ähnlich wie bei Schumacher 10 Jahre zuvor. Das machte die Sache meist dann doch eher recht dröge. Insofern, ich glaube, wir haben gerade das Glück, eine der besten Saisons seit mehreren Jahren beiwohnen zu dürfen.

      Ein weiterer Aspekt, der die Rennen im Moment recht unterhaltsam macht, hat mit dem Wechsel des Reglements zu tun, der Umstieg auf Triebwerke, die unten herum deutlich mehr Qualm an der Kette haben, dadurch ist der Fahrstil etwas spektakulärer geworden, und es ergeben sich dadurch auch wieder Überholmöglichkeiten. Gleichzeitig ist das Abtriebsniveau gesunken, und daß Pirelli dieses Jahr etwas konservativer an die Reifen herangegangen ist als in den letzten Jahren und diese haltbarer sind, hat in meinen Augen auch nicht geschadet. Die Reifenwechsel-WM der letzten zwei Jahre war dann doch arg albern, aber ich fürchte, das könnte im kommenden Jahr schon wieder anderster ausschauen.

      Niet ganz so prall ist zugegebenermaßen im Augenblick aber die Optik, der Gedanke, die Crashstruktur tiefer zu ziehen, ist zwar nachvollziehbar, die Ergebnisse zum Teil aber schon arg fies. Der Jahrgang 2014 wird definitiv nicht als der ästhetisch gelungenste in die Motorsportgeschichte einziehen. Der Sound? Vorm Fernsehgerät schwer zu sagen, aus der Entfernung meine ich, daß sie einzeln auf der Strecke gar nicht mal so schlimm klingen, wenngleich deutlich anderster, tieffrequenter und leiser als in früheren Tagen. Im Pulk? Keine Ahnung, obs wirklich so breiig klingt, oder obs fürs Fernsehen so schwer ist, das attraktiv abzumischen.

      Ganz und gar nicht prall: Bernie Ecclestone griff in den letzten Jahren schon in nicht gerade produktiver Art ins Reglement ein, um den Showeffekt immer mehr zu steigern (vgl Reifenproblematik), was dem Sport an sich nicht immer gut tat, und er tut es auch weiterhin (doppelte Punkte zum WM-Finale sind absolut unnötiger Firlefanz, und das jetzt der Funkverkehr mal mitten in der Saison neu reglementiert werden musste, war keine FIA-Initiative und IMO genauso albern wie unnötig). Dazu kommt, daß er wohl nicht mehr so ganz auf der Höhe der Zeit ist, was Medien und Konsumverhalten angeht, und wohl auch nicht realisiert oder wahrhaben möchte, welchen Schaden die F1 als Serie in den letzten Jahren teilweise genommen hat, dadurch, daß immer mehr unnötige Showelemente implementiert wurden. IMO überfällig, daß er geht!

      Was bleibt? Hm, ja 17-jährige in die F1, so richtig wohl ist mir bei dem Gedanken auch nicht. Ich hab zwar keinen Zweifel, daß er das notwendige Handwerk gut vermittelt bekommen hat (die Ausbildung junger Rennfahrer ist deutlich anderster, besser als vor 10, 20, 30 Jahren, und zwar auf allen Feldern), aber irgendwie, der Gedanke, daß Bubis, die noch nicht mal regulär Auto fahren dürfen schon in der Königsklasse des Motorsports antreten dürfen, das sehe ich schon mit etwas gemischten Gefühlen. Früher war die Superlizenz ja u.a. ja an einen gültigen Führerschein gebunden (hach war das schön, der Schumichl ließ sich mit seinem Dienst-Renault dabei erwischen, wie er deutlich zu schnell war, und Damon Hill hatte nix besseres zu tun, als dem Staatsanwalt die Arbeit abzunehmen und zu fordern, man möge doch bitte Schumachers Führerschein einsacken... :D ). Erfahrung und Erfolge in der '2. Liga' des Formelsports sagen im Allgemeinen nicht viel über die Qualitäten eines Fahrers aus, bis zum heutigen Tag ist es gerade mal einem einzigen Gewinner einer F2, F3000 und GP2-Meisterschaft gelungen, F1-Weltmeister zu werden (Hamilton). Gerade mal zwei GP-Siege gehen auf das Konto von F3000-Meistern (Jean Alesi u. Olivier Panis). Andererseits hatte man die Diskussion vor über 10 Jahren ähnlich mit Kimi Räikkönnen, der hatte im Prinzip auch nicht mehr Erfahrung als jetzt Verstappen. Aber er war wenigstens schon über 20.